Zwei Titel und ein unvergessliches Eigentor

Der ehemalige Eintracht-Torhüter Jürgen Pahl. Foto: Jan Huebner

Ex-Eintracht-Keeper Jürgen Pahl wird 65

Sein Weg zu Eintracht Frankfurt war nicht ungefährlich – und auch danach hat Jürgen Pahl immer wieder das Abenteuer gesucht. Am 17. März wurde der ehemalige Torhüter 65 Jahre alt.

Zur Welt kam Pahl in Teuchern in Sachsen-Anhalt. Als talentierter Nachwuchsspieler in der DDR wurde er zum Halleschen FC Chemie delegiert. Ein Nachwuchsländerspiel in der Türkei im November 1976 nutzte er mit seinem Mannschaftskameraden Norbert Nachtweih zur Flucht in die Bundesrepublik. Beide landeten bei der Eintracht, wo sie nach der damals obligatorischen 16-monatigen Sperre zu Stammspielern wurden.

Garantieerklärung für „Republikflüchtlinge“

Sein Bundesliga-Debüt gab Pahl am 13. Januar 1979 gegen den FC Schalke 04. Der 3:1-Sieg war die erste von 175 Begegnungen mit dem Adler auf der Brust, davon 152 in der Bundesliga. Schon im Jahr darauf gewann Pahl den UEFA-Cup – unter besonderen Umständen.

Denn als die Eintracht 1979/80 zunächst bei Bukarest in Rumänien und später bei Brünn in der damaligen Tschechoslowakei antreten musste, gab es berechtigte Bedenken, dass er und Nachtweih als „Republikflüchtlinge“ Probleme bekommen würden.

In dieser Situation hatte die Eintracht das Glück, in Wolfram Mischnick einen gut vernetzten FDP-Politiker im Verwaltungsrat sitzen zu haben. Mischnick wandte sich an seinen Parteikollegen Hans-Dietrich Genscher. Der Außenminister erwirkte eine Garantieerklärung für die beiden Eintracht-Spieler. Zur Sicherheit reiste Mischnick mit zu den Auswärtsspielen.

Fensterbauer in Weißenfels und Gastronom in Paraguay

Wiederum eine Spielzeit darauf folgte der Gewinn des DFB-Pokals. Ebenso unvergessen bleibt Pahls Eigentor 1982 gegen Werder Bremen, als ihm bei einem Abwurf der Ball entglitt und im eigenen Netz landete. Seine Spielerkarriere beendete er beim türkischen Klub Rizespor, wo er von 1987 bis 1989 aktiv war.

Nach dem Mauerfall kehrte Pahl zunächst in seine Heimatregion zurück und gründete in Weißenfels eine Fensterbaufirma. Diese gab er 1995 auf und ließ sich in Paraguay nieder. Dort betrieb er zunächst ein Lokal, später in Independencia eine Pension. Er trainierte nebenbei den örtlichen Fußballverein und gründete später auch eine kleine Fußballakademie in dem südamerikanischen Land.

Von Stephan Köhnlein

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