Trauer um Dr. Hammer

Schweigeminute zum Tod von Bernd Nickel beim Spiel gegen Leipzig. Foto: Blatterspiel/Jan Huebner

Eintracht-Urgestein Bernd Nickel stirbt mit 72 Jahren

Er war der einzige Spieler, der aus allen vier Ecken des Waldstadions einen Eckball verwandelt hat. Für die Eintracht erzielte er in 426 Bundesliga-Spielen 141 Tore. Damit ist er der torgefährlichste Bundesliga-Mittelfeldspieler der Geschichte. Am 27. Oktober ist Bernd Nickel nun im Alter von 72 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

In den 70er Jahren bildete Nickel zusammen mit Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski das magische Offensivdreieck bei der Eintracht. „Wir haben uns immer gut verstanden, jeder wusste genau, wie der andere tickt, wir haben blind miteinander kombiniert“, hatte Nickel in einem Interview zu seinem 70. Geburtstag gesagt. Während Hölzenbein und Grabowski 1974 Weltmeister wurden, brachte es Nickel jedoch nur auf ein A-Länderspiel.

Das Eckengeheimnis: Immer voll draufgehauen

Seinen Spitznamen „Dr. Hammer“ hatte er zu Beginn seiner Karriere erhalten. „Als ich 1967 zu den Profis von Eintracht stieß, stand Hans Tilkowski im Tor. Ihm fiel auf, dass ich mit einem strammen Linksschuss ausgestattet war und er gab mir diesen Spitznamen“, erinnerte sich Nickel. „Als ich mit einem ziemlichen Hammer in der Bundesliga einen Treffer erzielte, machten die Zeitungen den Namen in ganz Deutschland bekannt.“

Die Grundlagen für seinen Schuss hatte er schon in seiner Kindheit gelegt. Zu Hause in Eisemroth (Lahn-Dill-Kreis) ballerte er immer auf ein riesiges Scheunentor. „Ich suchte Punkte oder Kästen an der Wand, die ich treffen wollte. Und dann wurde so lange geübt, bis ich es im Schlaf beherrschte.“ Das Geheimnis seiner verwandelten Eckbälle: Nickel hat immer voll draufgehauen, nicht locker geflankt, nicht mit dem Innenrist, sondern mit dem Vollspann.

Ein Tor verhindert den Wechsel zum FC Bayern

Sein wohl wichtigstes Tor erzielte er am 29. Mai 1971 per Seitfallzieher das 1:0 beim 2:0-Sieg beim Derby in Offenbach. Dieser Treffer wurde zum „Tor des Monats“ gewählt. Die Eintracht blieb damals in der Liga, der OFC stieg ab. „Wenn ich das Tor nicht erzielt hätte, wären nicht die Kickers, sondern die Eintracht abgestiegen“, sage er. „Ich wäre zum FC Bayern gewechselt, da war schon alles ausgehandelt.“

Von 1968 bis 1983 war er für die Adlerträger am Ball, ließ seine Karriere dann noch mit einer Spielzeit bei Young Boys Bern ausklingen. Der Eintracht blieb er bis ins Alter erhalten, war regelmäßig zu Gast auf der Tribüne. Doch die vergangenen Jahre war er bereits gesundheitlich schwer angeschlagen: neue Kniegelenke, eine Rückenoperation und vor allem Herzprobleme.

In der Mitteilung zu Nickels Tod nannte Präsident Peter Fischer ihn „eine der ganz großen Identifikationsfiguren des Vereins“. Ex-Mitspieler Grabowski sagte: „Seine Freistöße waren einmalig, er war ein begnadeter Fußballer. Und das Schöne war, dass wir auch nach der aktiven Zeit enge Freunde geblieben sind.“

Von Stephan Köhnlein

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