Singen als kulturelles Gemeinschaftserlebnis

Kreis ehrt verdiente Sängerinnen und Sänger

Kreis Groß-Gerau – „Singen ist ein unverzichtbarer Teil des kulturellen Lebens in unserem Landkreis, weil es nach wie vor engagierte Frauen und Männer gibt, die den Gesang mit durch ihr Leben nehmen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Walter Astheimer bei der Kreissängerehrung im Kreishaus Groß-Gerau. Insgesamt 69 Frauen und Männer wurden bei der Feierstunde im GeorgBüchner-Saal für langjähriges Engagement ausgezeichnet. Eine besondere Ehrung erfuhr dabei Herbert Fückel aus Trebur.

„Dass Musik in der Tat eine einzigartige Wirkung auf uns ausübt und viel mehr ist als nur ein schöner Zeitvertreib, können wir heute erleben“, betonte Astheimer. Zur musikalischen Umrahmung der Feier hatte der Gesangverein Germania 1857 Raunheim unter der Leitung von Konstantin Karklisiyski sowie der MGV Mozart Trebur beigetragen. Astheimer bedankte sich auch bei den Sponsoren für die Unterstützung, bei der Sparkassen-Stiftung und den Firmen Meinhardt und eprimo. Er dankte zudem den Kolleginnen und Kollegen aus dem Kreis-Kulturbüro um Jochen Melchior, die wieder alles bestens vorbereitet hatten.

„Musik verbindet Generationen“, so Astheimer. Deshalb galt sein Gruß natürlich in erster Linie den Jubilarinnen und Jubilaren. „Hervorheben möchte ich das Jubiläum von Frau Lydia Schilling vom Volkschor Rüsselsheim. Sie ist seit sage und schreibe 70 Jahren aktiv“, so der Kreisbeigeordnete. Auf ein fast ebenso erstaunliches Sängerleben blicken Karin Hauser, Gotthold König, Wolfgang Schmitt, Fritz Gövert, Heinrich Becker und Wilhelm Linner zurück: Seit 65 Jahren sind sie aktiv. Hinzu kommen sechs Sängerinnen und Sänger, die für ihre 50-jährige Mitgliedschaft geehrt wurden. 26 Frauen und Männer sind seit 40 Jahren in Gesangvereinen aktiv. Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden 19 Sängerinnen und
Sänger ausgezeichnet und für eine zehnjährige aktive Zeit im Jugendchor wurden zehn junge Frauen auf die Bühne gebeten. „Mit all den stattlichen Zahlen und Jubiläen beweisen sie: Gute Musik verlängert das Leben“, so Astheimer. Die Chöre, zitierte er den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck, „eröffnen uns damit Türen und Tore in eine Seelenlandschaft hinein, in der nicht nur gerechnet wird, sondern in der man sich ermutigt, aufbaut, zu Hoffnungen anstiftet“. Die Sprache der Musik sei universal, sagte Astheimer: „Ist es nicht großartig, dass Menschen überall auf der Welt gleich erkennen, wann etwas fröhlich, heiter und wann etwas traurig klingt? Auch wenn sie die Liedtexte nicht verstehen.“

Dr. Kirsten Thelen, erste Vorsitzende des Sängerkreises Mainspitze, betonte in ihrem Grußwort den gesellschaftlichen Stellenwert des Chorgesangs. Kulturelle Teilhabe sei genau das, was sie auch in den Vereinen sehe, auch in ihrem eigenen 14-köpfigen Frauenchor: „Da gibt es die Akademikerin mit Doktor- titel und die Frau, die seit dem 15. Lebensjahr in der Gastronomie schuftet; eine, die in ihrer Freizeit Halbmarathon läuft und eine, die mit Parkinson lebt; die, die mühelos vom Blatt singt und die, die keine Noten lesen kann, und wir haben eine taffe Karrierefrau und eine, die nie berufstätig war, weil sie sich um die Familie gekümmert hat. Das ganze gesellschaftliche Spektrum.“ Das mache aber keinen Unterschied. Im Chor habe jede ihren besonderen Platz und sei damit ein elementarer Teil des Klangkörpers. „Ein Chor ist nicht die Summe Einzelner, er ist ein Ganzes“, sagte Dr. Thelen.

Dann berichtete Dr. Thelen von der Singklasse ihrer Tochter, ein „wild zusammengewürfelter Haufen von 32 Schülern aus gefühlt 35 Ländern“. Nun, zwei Jahre später, sei diese Klasse die leistungsstärkste und sozial kompetenteste des Jahrgangs. „Und wenn dann Katholiken, Protestanten, Atheisten, Hindus, Buddhisten und Muslime vielstimmig und zum Heulen schön das Halleluja des jüdischen Singer-Songwriters Leonard Cohen singen, dann bekommt man eine Ahnung, welche Kraft, Macht und Potenzial im gemeinsamen Singen steckt“, sagte Dr. Thelen.

Besonders freuten sich Dr. Thelen und Reinhard Schindler vom Sängerkreis Groß-Gerau, zu Beginn der Ehrungszeremonie zehn junge Sängerinnen auszeichnen zu dürfen, die seit zehn Jahren in den Kinder- und Jugendchören des GV Frohsinn Geinsheim und der SKV Mörfelden aktiv sind. Im Anschluss wurden die weiteren Aktiven auf die Bühne gerufen, die seit 25, 40, 50, 65 und 70 Jahre dem Gesang treu sind. Dann auch Herbert Fückel, der seit 1976 aktiver Sänger im MGV Mozart Trebur ist. Lang ist die Liste der ehrenamtlichen Aktivitäten, und sie gehen weit über das Engagement in Sachen Chorgesang hinaus. Betreuer des Kinderchores, Sprecher des Gospelchores „Disharmonix“, Vorsitzender, Ehrenvorsitzender, zuständig im Wirtschaftsausschuss, für das Vereinsarchiv, für Fastnachtsvorträge. Zudem gehört er seit 1970 der Freiwilligen Feuerwehr an und hat dort verschiedene Ämter begleitet. Daneben war Herbert Fückel im Ortsvereinsring Trebur und bei den Altkerweborsch Trebur aktiv. Und im Sportkreis Groß-Gerau sowie in der Evangelischen Kirchengemeinde Trebur ist er heute noch engagiert. Viel Lob gab es von den Verantwortlichen: „Sie können stolz sein: Sie sind damit Mitglied der weltweit größten Vereinigung von Musikerinnen und Musikern“, rief Astheimer den Sängerinnen und Sängern zu.

ggr

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