Schulhündin im Einsatz

Bonnie assistiert Schulsozialarbeiterin Anja Göbel in Wolfskehlen

Kreis Groß-Gerau – „Glaubt ihr, dass Bonnie eine Rolle machen kann, glaubt ihr, dass sie das schafft?“, fragt Anja Göbel in die Runde. Flugs schnellen die Finger der Kinder der 2b der Grundschule Wolfskehlen in die Höhe. „Klar doch“, sagt ein Junge: „Bonnie schafft alles.“

Und tatsächlich macht der Golden Retriever auf das Zeichen der Schulsozialarbeiterin hin eine Rolle auf dem Boden, ganz mühelos. Zum Dank gibt’s ein Leckerli und Bonnie bleibt entspannt auf dem Boden liegen. „So süß“, hört man Kinder tuscheln. „Ich mag Bonnie, weil sie immer so viel Quatsch macht und so schnell reagiert“, sagt ein Mädchen und lacht.

Seit Oktober 2018 ist Bonnie der heimliche Star der Schule. Seit dieser Zeit ist die vierjährige Hündin offiziell als Schulhund an der Grundschule Wolfskehlen im Einsatz. Denn Bonnie ist so, wie man sich einen wohlerzogenen Hund vorstellt: menschenfreundlich, gelassen auch in anstrengenden Situationen, keinerlei Anzeichen von Aggression zeigend, auch wenn es turbulent zugeht. Das ist natürlich das Ergebnis harter Arbeit: Anja Göbel hat mit ihrem Hund die Prüfung zum Therapie- und Besuchshunde- Team beim DRK Hessen absolviert. Bonnie hat sich schon als Besuchshund für das DRK in einer Demenz- Tagesgruppe in Darmstadt bewährt.

Und seitdem die Schulkonferenz der Schule, das Staatliche Schulamt und natürlich der Kreis Groß-Gerau mit seinen Fachstellen als Schulträger zugestimmt haben, darf Bonnie mit in die Grundschule Wolfskehlen. An zwei Tagen pro Woche nimmt Anja Göbel den Hund im Fach „Soziales Lernen“ in den Klassen 1 und 2 mit. Dort mischt Bonnie – wenn alle Kinder einverstanden sind – bei den Spielen und Übungen tüchtig mit. Eine Regel besagt, dass die Hündin nicht geärgert wird. Zu den Hygieneregeln gehört, dass sich die Kinder nach dem Streicheln regelmäßig die Hände waschen.


Und wer Angst vor Hunden hat, muss bei den Übungen nicht mitmachen. Doch das sind nur noch wenige: „Bonnie ist auch für viele Kinder, für die Hunde als Haustiere etwas ungewohnt sind, ein selbstverständlicher Teil des Schullebens geworden“,berichtet Anja Göbel. „Fast alle Kinder, die anfangs Angst vor Hunden hatten, streicheln Bonnie heute gerne oder lassen sich die Pfote geben. Sie sind stolz, wenn sie Bonnie Befehle geben, die sie dann auch befolgt. So etwas stärkt das Selbstbewusstsein.“

In der Tat wirkt sich die Anwesenheit von Bonnie positiv auf das Miteinander in der Schule aus. „Die Lehrerinnen, die Sekretärinnen, wirklich alle freuen sich, wenn sie den Hund sehen“, bestätigt Schulleiterin Susanne Möller. „Der Hund ist sehr ruhig, sehr freundlich, sehr gelassen – und immer da, wo Anja Göbel ist.“ Im Büro der Sozialarbeiterin steht Bonnies Box, damit der Hund auch in der Schule zu seinen Pausen kommt.

Die Kinder lieben den Hund – er sorgt für Wohlfühlatmosphäre. Und gilt traurigen und enttäuschten Kindern als Seelentröster. Der tierische Klassenfreund ist Teil der Schulgemeinschaft: Verantwortung übernehmen, Regeln beachten, Empathie zeigen, respektvolles Sozialverhalten, mit Bonnie lässt sich all das gut einüben.

„Den Einsatz des Schulhundes wollen wir nicht mehr missen“, sagt lobend die Schulleiterin. Mehr als zwei Tage in der Schule möchte Anja Göbel ihrem Hund allerdings nicht zumuten.

Der Assistenz-Job kann ganz schön aufreibend sein. „Nach der Schule ist auch Bonnie geschafft; zu Hause legt sie sich erst einmal hin und schläft ausgiebig“, sagt Anja Göbel. Sicher träumt sie schon von ihrem nächsten Schultag, denn dass Bonnie gerne in die Schule geht sieht und merkt man ihr an. „Sobald wir an der Schule aus dem Auto steigen, läuft Bonnie schwanzwedelnd Richtung Schulhof und begrüßt freudig die Kinder“, sagt Göbel.

Fotos: Kreisverwaltung

ggr

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