Regionalität im Vordergrund

Mehr Bio im und für den Kreis – Landwirt Kai Schellhaas geht neue Wege

Kreis Groß-Gerau – Seit zwei Jahren gibt es das Modellprojekt „Ökolandbau Modellregion Süd“.  Es hat sich – mit Unterstützung durch das hessische Umweltministerium – zum Ziel gesetzt, den Anteil der ökologischen Landwirtschaft, der bisher noch sehr gering ist, auf 30 Prozent auszuweiten. Der Landkreis Groß-Gerau hat sich von Anfang an für dieses Ziel eingesetzt.

Seitdem ist viel passiert: Die Geschäftsstelle der Ökomodellregion hat ihre Arbeit aufgenommen, sieben Projektgruppen – unter anderem Vermarktung, Stammtisch, Grundwasser – wurden gegründet und arbeiten fleißig an Maßnahmen und Projekten. Ab 2021 schließt sich Bergstraße der Ökomodellregion Süd an, die damit die flächengrößte Modellregion in Hessen darstellt.

Einer der Landwirte im Landkreis Groß-Gerau, der schon seit einiger Zeit auf Bio-Basis produziert, ist Kai Schellhaas mit seinem Hof in Riedstadt. Er hat sich gegen die konventionelle Landwirtschaft entschieden, um „dem Boden und den Pflanzen wieder etwas zurückzugeben, so dass die Kulturen die benötigten Nährstoffe zum Wachsen selbst aus dem Boden und der Luft ziehen können“, sagt Kai Schellhaas. Angebaut werden auf seinem Hof vor allem unterschiedliche Getreidesorten, wie Weizen, Dinkel, Emmer und Hafer. Andere Kulturen sind Mohn, Haselnüsse, gelbe und rote Zwiebeln sowie Raps. Dazu kommen Eier aus eigener Hühnerhaltung. Viele dieser Produkte werden in der hofeigenen Manufaktur weiterverarbeitet und veredelt.

Die Umstellung auf Biolandwirtschaft stellte den Betrieb vor erhebliche Herausforderungen. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Boden und der Kulturführung war nötig: „Es galt, Prozesse umzustellen und in neue Maschinen zu investieren, aber auch in Arbeitskräfte – denn die Unkrautbekämpfung ohne chemische Mittel bedeutet, dass ich mehr Mitarbeiter benötige“, so Schellhaas. Dabei weiß er zu schätzen, dass ihn die Ökolandbau Modellregion Süd auf diesem Weg unterstützt und berät – auch beim Absatz der selbst hergestellten Bioprodukte.

Kai Schellhaas könnte sich allerdings noch mehr Unterstützung vorstellen, etwa durch die Landes- und die Bundesregierung. Sie sollten in seinen Augen darauf hinwirken, dass die Bioprodukte aus dem eigenen Land bevorzugt werden. „Regionalität sollte in den Vordergrund gerückt werden. Ich finde, die Konsumenten sollten einen Bezug zu den Produkten wie auch zu deren Erzeugern haben. Sie sollen wissen, woher ihre Zwiebeln kommen, und die Möglichkeit haben, sich den Betrieb anzuschauen und vielleicht auch mal bei der Ernte dabei zu sein“, fügt der Riedstädter hinzu. Auch erhofft er sich ein größeres Gespür der Konsumenten dafür, wann welche Produkte Saison haben. Würden Lebensmittel nur dann gekauft, dann „müssten wir uns keine Gedanken darüber machen, wie sie künstlich länger haltbar gemacht werden können“. Auf die Bioprodukte, die derzeit in den Supermärkten angeboten werden, blickt Kai Schellhaas eher skeptisch. Sie kommen zum Großteil aus dem Ausland und entsprechen nicht der Bioprüfung, wie sie in Deutschland abverlangt wird.

Im Großen und Ganzen sieht er die Entwicklung aber positiv: „Gerade in Corona-Zeiten wird den Leuten bewusster, wie wichtig es ist, Produkte aus der Region zu kaufen“. Er wünscht sich, dass den Kindern in Schulen und Kindergärten gesundes Bio-Essen aus der Region angeboten wird. „Kinder sollen wissen, wie eine Karotte, Kartoffel, Zwiebel, eine Sellerieknolle oder eine Haselnuss aussieht und nicht immer nur diese Tüten aufreißen. Gesundes Essen kann preiswert sein, wenn man saisonal kauft.“

Kai Schellhaas weiß, dass die Zukunft ihn vor weitere Herausforderungen stellen wird, zum Beispiel durch den Klimawandel. Die Kulturen müssen entsprechend angepasst werden. „Alternativ bleibt nur die Bewässerung – und dies schlägt sich leider ganz schön auf die Kosten nieder.“ Der Bio-Landwirt bedauert auch, dass durch den Klimawechsel wohl etliche Kulturen aussterben werden. Es lohnt sich schlicht nicht mehr, sie anzubauen.

Wer mehr über den Hof Schellhaas erfahren möchte, kann sich auf der Website www.biolandhof-schellhaas.de informieren.

ggr

 

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