Patrick Herrmann – der viel gescholtene Fußball-Gott

Patrick Hermann im Spiel gegen Jahn Regensburg. Foto: Arthur Schönbein

In Kiel wurde er für seinen Kampfgeist verehrt – In Darmstadt tut er sich schwer

Fehlerhaft in der Defensive wie in der Offensive – beim 1:0 gegen den VfL Osnabrück war Patrick Herrmann wohl der schwächste Spieler des SV Darmstadt 98 auf dem Platz. Trotzdem zollte Markus Anfang dem Rechtsverteidiger großen Respekt: „Man muss ihm dankbar sein, dass er sich zur Verfügung gestellt hat“, sagte der Lilien-Coach. Herrmann habe sich vor dem Spiel fitspritzen lassen und unter Schmerzmitteln gespielt.

Im Training hatte Herrmann einen Schlag auf den Hüftbeuger bekommen. Eine schmerzhafte Angelegenheit, wegen der er mit dem Training pausierte und sich in Behandlung begab. Weil mit Matthias Bader der andere etatmäßige Außenverteidiger ausgefallen war, biss er jedoch auf die Zähne und lief mit medizinischer Unterstützung auf.

„Er kämpft sich da durch, ist sicher nicht bei 100 Prozent“, sagte Anfang. Ohnehin sei Herrmann eher ein Spieler, der über den Kampf komme und sich in die Partien beiße. „Er ist weniger der technisch versierte Spieler, das wissen wir alle. Aber wenn dann noch Schmerzen dazukommen, passiert eben das eine oder andere gerade im Offensivverbund.“ Gegen St. Pauli stellte Anfang die Abwehr auf Dreierkette um und ließ Herrmann auf der Bank. Am Ende verloren die Lilien 2:3.

Zukunft als Rechtsverteidiger gehört Bader

Seit Anfang 2018 spielt Herrmann für die Lilien. Zunächst war er Stammspieler. Im Winter 2019 kam der gut neun Jahre jüngere Bader, der ihm zunächst den Rang abzulaufen schien. Doch vor allem Verletzungen warfen Bader immer wieder zurück, so dass Herrmann weiter zum Zug kam. Überzeugen konnte er dabei freilich nur selten, kam oft zu spät in die Zweikämpfe und spielte zu unsauber.

Äußerst erfolgreich hatten Herrmann und Anfang bei Holstein Kiel zusammengearbeitet. Zwischen 2016 und 2018 hätten sie fast den Durchmarsch von der 3. Liga bis in die Bundesliga geschafft, scheiterten erst in der Relegation. In dieser euphorischen Zeit stieg Herrmann wohl auch bei den Kieler Fans zum „Fußballgott“ auf, mit dem die Anhänger vor allem seinem Kampfgeist Tribut zollten. „Als ich in der 3. Liga angefangen habe, habe ich das weniger gehört. Aber da waren auch nur so um die 3.000 Leute im Stadion“, erinnert sich Anfang. „Am Ende war das Stadion voll. Da hat man das vermehrt gehört. Im Laufe der Saison ist der ‚Fußballgott‘ immer lauter geworden.“

Vertrag läuft zum Saisonende aus

Nachdem Anfang Kiel im Sommer 2018 verlassen hatte, verlor der Mann mit den dicken Waden (angeblich 46 Zentimeter Umfang) seinen Stammplatz bei den Norddeutschen und wechselte ein halbes Jahr später zu den Lilien. An seinen Kultstatus Fußballgott konnte er in Darmstadt allerdings nicht mehr anknüpfen. Im März wird er 33 Jahre alt. Ob sein zum Saisonende auslaufender Vertrag nochmals verlängert wird, ist fraglich.

Von Stephan Köhnlein

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