No Racism. Du bist nicht allein!

Netzwerker*innen: Die Kreisverwaltung Groß-Gerau berät und unterstützt Menschen, die von rassistischer Gewalt betroffen sind oder Betroffene unterstützen wollen. Das Banner der neuen Kampagne #NoRacism hängt am Geländer des Kreishauses. Das Bild zeigt (von links): Landrat Thomas Will, Regina Plettrichs (Fachbereichsleiterin Steuerung), Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer, Nilüfer Kuş und Sedef Yıldız von der Fachstelle gegen Rechtsextremismus und Rassismus, Büro für Integration des Kreises Groß-Gerau.

Kreis startet Antirassismus-Aktion und informiert über Beratungsangebot

Kreis Groß-Gerau – #NoRacism im Kreis Groß-Gerau oder auch kurz NoRa-GG – so lautet das Motto der neuen Kampagne, mit der der Kreis Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt unterstützen möchte. „Ein Ziel der Kampagne ist es deshalb, auf unser lokales Beratungs- und Vernetzungsangebot der kreisweiten Fachstelle im Büro für Integration aufmerksam zu machen“, sagt Landrat Thomas Will. „#NoRacism ist Ausdruck einer gemeinsamen Haltung gegen Rassismus und Diskriminierung im Kreis – und zugleich auch ein Aufruf für mehr Gerechtigkeit, Zusammenhalt und Zivilcourage.“

„Jeden Tag werden Menschen rassistisch angegriffen, beleidigt oder bedroht“,  berichten Sedef Yıldız und Nilüfer Kuş vom Büro für Integration des Kreises Groß-Gerau. Oft werde Rassismus nicht ernst genommen oder kleingeredet. „Es sind die indirekten und unauffälligen Situationen im Alltag, die die Menschen sowohl strukturell als auch emotional ausgrenzen und traumatisieren: In sozialen Medien, in der Nachbarschaft, an der Bushaltestelle, im Supermarkt, in der Schule, auf der Arbeit oder in öffentlichen Ämtern“, so Yıldız und Kuş. „Manchmal sind es Worte oder vermeintlich gut gemeinte Nachfragen, häufig sind es festgefahrene Regeln und Abläufe in Institutionen und nicht zuletzt sind es gefährliche Vorurteile gegenüber Menschen, die nicht als Deutsche verstanden werden.“

Die Fachstelle gegen Rechtsextremismus und Rassismus im Kreis Groß-Gerau im Büro für Integration berät und unterstützt Menschen, die von rassistischer und rechter Gewalt betroffen sind.  „Bei der Beratung geht es in erster Linie darum, Betroffene zu empowern – also zu stärken, so dass sie ihre Handlungsfähigkeit und ihre Stimme wiederfinden können“, so Yıldız und Kuş. „Wir arbeiten eng mit dem Netzwerk gegen Rechtsextremismus und Rassismus im Landkreis Groß-Gerau sowie mit hessenweiten Partner*innen in der Antirassismus-Arbeit zusammen. Auch in einigen Städten und Gemeinden im Landkreis gibt es Ansprechpartner*innen, an die man sich wenden kann.“

Allein im Landkreis Groß-Gerau meldeten Bürger*innen in den letzten anderthalb Jahren fast 60 rassistische Fälle der Fachstelle. Hessenweit wurden in den vergangenen zwei Jahren 190 rassistische Angriffe, 687 rassistische und rechtsextreme Aktivitäten und 13 rassistische Morde erfasst. Die Dunkelziffer jener Fälle, die nicht gemeldet wurden, dürfte indes noch weit höher liegen.

„Jede Form von Rassismus und Diskriminierung betrifft die gesamte Gesellschaft. Rassismus betrifft also auch diejenigen, die nicht ausgeschlossen werden, da sie in vielen Situationen von der Ausgrenzung anderer profitieren, ohne es vielleicht zu merken“, geben Sedef Yıldız und Nilüfer Kuş zu bedenken. Die Ordnung der Gesellschaft habe eine lange Tradition der Ausgrenzung, die spätestens seit dem Kolonialismus bis heute oft indirekt weitergelebt werde. „Wir alle sind in dieses System verwickelt und bemerken es nicht, wenn wir nicht genau hinschauen.“

„Schau hin“ – so lautet denn auch der Appell. Jede*r könne etwas gegen Rassismus unternehmen. Betroffene von rassistischer und rechter Gewalt beschreiben in ihren Erfahrungen oft, dass es am schmerzhaftesten gewesen sei, dass andere Menschen weggeschaut haben, wissen die Fachleute aus dem Integrationsbüro. Auch wenn Betroffene ihre Erfahrungen aussprächen und Unterstützung bei ihren Vertrauten suchten, erlebten sie häufig eine Täter-Opfer-Umkehr oder ihre Rassismuserfahrung werde kleingeredet. Doch es ist gar nicht so schwer: Jede*r kann bereits mit kleinen Handlungen eine große Hilfe für Betroffene von rassistischer Gewalt sein. Landrat Will: „Hinschauen und solidarisieren, zuhören und ernstnehmen, intervenieren und unterstützen. Es gibt viele Möglichkeiten Betroffene zu unterstützen.“

Ein Netzwerk ist eine davon: Es fängt auf und gibt Sicherheit. Akteur*innen stärken sich hier gegenseitig in ihrem Handeln, tauschen Erfahrungen aus und schaffen Gemeinsamkeit. Ein Netzwerk ist reich an Solidarität und Empowerment! „Wir treten unter anderem ein für Teilhabechancen, für die Vielfalt der Gesellschaft, für die Freiheit unterschiedlicher Lebensentwürfe und Biografien, ja für eine Gesellschaft ohne Rassismus und Diskriminierung“, so Yıldız und Kuş.

Seit vielen Jahren ist im Kreis Groß-Gerau das Netzwerk gegen Rechtsextremismus und Rassismus aktiv. Hier können sich alle einbringen, mitarbeiten und mitgestalten – so wie es zum persönlichen Lebenskontext passt. Das Netzwerk ist ein offenes Forum. Es gibt keinen Mitgliedsbeitrag oder Vertrag. Die Zusammenarbeit basiert auf freiwilligem Einsatz und Engagement. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite www.NoRa-GG.de

Wer kann sich an die Fachstelle wenden? Die Fachstelle in der Kreisverwaltung Groß-Gerau berät und unterstützt Menschen, die von rassistischer Gewalt betroffen sind, Menschen, die Betroffene unterstützen wollen, Fachkräfte, Lehrkräfte, Mitarbeiter*innen in Verwaltungen und Mandatsträger*innen, Bündnisse, Initiativen, Vereine oder Organisationen. Die Adresse lautet: Kreisverwaltung Groß-Gerau, Büro für Integration, Fachstelle gegen Rechtsextremismus und Rassismus, Wilhelm-Seipp-Str. 4, 64521 Groß-Gerau, 06152 989 772. Internet: www.NoRa-GG.de

ggr

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