Lebensmittel verwerten statt entsorgen

Der Verein „Essen für alle“ verteilt Lebensmittel, die sonst entsorgt werden müssten, an Bedürftige

Tomaten, Brote, Paprika, bunte Eier, Blumen, frisches Obst und Kuchen vom Bäcker. Der gemeinnützige Verein „Essen für Alle“ (EfA) hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lebensmittel, die in Geschäften nicht mehr verkauft werden können, an Menschen zu vermitteln, die sie gebrauchen können. So wird unnötiger Verschwendung vorgebeugt.

Jährlich werden alleine in Deutschland rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Gleichzeitig leben jeder sechste Senior und jedes fünfte Kind an der Armutsgrenze. Darum hat sich EfA die Rettung von Lebensmitteln im Kreis Groß-Gerau auf die Fahne geschrieben.

Vorsitzende Sylvia Schneider erinnert daran, dass EfA am 1. Dezember 2017 in Gernsheim mit Lebensmittelverteilstationen angefangen hatte, dann kamen Ausgabestellen in Dornheim, Büttelborn, Mörfelden, Walldorf und Wallerstädten hinzu.

Vereinsmitglieder holen unverkäufliche und abgeschriebene Lebensmittel in Geschäften ab, bevor sie an soziale Einrichtungen und Bedürftige ausgegeben werden. Ziel ist es, alle Lebensmittel zu verwerten und nichts zu entsorgen.

Der Verein versteht sich nicht etwa als Konkurrenz, sondern Ergänzung zu Tafeln und Speisekammern. Der Unterschied besteht laut Schneider darin, dass bei der Essensausgabe durch EfA niemand seine Bedürftigkeit nachweisen müsse.

Wichtig sei dem Verein auch die Sensibilisierung speziell junger Menschen, um möglicher Verschwendung von Lebensmitteln vorzubeugen. Darum gibt es unter anderem Kochkurse mit Schülern. Sie erfahren, wie einfach und preisgünstig sich leckere Mahlzeiten zubereiten lassen. Außerdem erfahren die Kinder und Jugendlichen, wie sie erkennen, dass Lebensmittel nicht mehr essbar sind.

Bei den Ausgaben von EfA kann sich jeder kostenlos in haushaltsüblichen Mengen mit dem eindecken, was er gerade benötigt – seien es Obst oder Gemüse, Brot, Brötchen oder Kuchen. Spenden als kleines Dankeschön sind hier immer willkommen.

Senioren, die sich bei EfA wegen eingeschränkter Mobilität nicht selbst bedienen können, werden laut Schneider auch beliefert. Mancherorts kooperiert EfA bereits mit Ortsgruppen des Deutschen Roten Kreuzes. Für Blutspendetermine werden diese kostenfrei mit Obst und Brötchen beliefert.

EfA deckt donnerstags zwischen 15 und 17 Uhr in GroßGerau die Tage und Zeiten ab, zu denen die Tafel nicht abholt und verteilt. Helfer holen Lebensmittel auch nur an den Tagen ab, an denen nichts an die Tafel abgegeben wird, damit dort nichts verkommt. Außerdem deckt der Verein mit Zusatzabholungen die Urlaube der Tafel ab. In dieser Zeit wie zwischen Weihnachtenn und Anfang Januar dürfen sich auch Nutzer der Tafel bei EfA eindecken. Die Ausgabe fällt in die frühen Abendstunden. „Wir wollen Geschäften keine Konkurrenz machen“, erklärt Schneider.

Unlängst startete der Verein in Büttelborn vor dem Zentrum für Gemeinschaftshilfe mit einem Begegnungscafé für Jung und Alt mit selbst gebackenen Kuchen aus gerettetem Obst. Außerdem bereiten Helfer und kleine Besucher von Kindergärten auch Brotaufstriche zu. Laut Schneider wollen immer mehr Schulen und Kindergärten von EfA mit Obst und Gemüse beliefert werden. Zurzeit erhalten zwölf Kindergärten und drei Schulen im Kreis wöchentlich auch einige Backwaren. Das gelieferte Obst ersetzt nicht etwa die Einkäufe der Kindergärten, sondern wird zusätzlich angeboten.

In vielen Kindergärten helfen die Kinder beim Sortieren und erlernen so bereits spielerisch einen nachhaltigen Umgang und die Wertschätzung von Lebensmitteln.

So beliefert EfA beispielsweise die Goetheschule in GroßGerau wöchentlich mit Backwaren und Obst, sondern auch mit Lebensmitteln für die Projektwochen. So lernen die Schüler, dass der Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums von Lebensmitteln nicht automatisch bedeutet, dass sie verdorben sind. So profitieren wöchentlich weitere rund 500 Kinder im Kreis von EfA. Insgesamt sind es laut Schneider rund 1000 Menschen.

Seit einiger Zeit kooperiert der Verein auch mit den Beruflichen Schulen in der Kreisstadt. Mittwochs wird gerettetes Obst angeliefert. Schüler bereiten es in immer neuen Varianten zu und bieten es während der Pausen an.

Darüber hinaus absolviert EfA im Rahmen von Projekttagen oder –wochen gegen Lebensmittelverschwendung auch Kochkurse mit Schülern – wie unlängst mit der Mittelstufe des PrälatDiehl-Gymnasiums.

Kostenlose Lebensmittelverteilung:

In Dornheim jeden Donnerstag zwischen 18.30 und 19.30 Uhr im Hof der Alten Schule, Gernsheimer Landstraße 1.

In Büttelborn erfolgt die Ausgabe jeden Freitag zwischen 18.00 und 19.00 Uhr im Zentrum für Gemeinschaftshilfe, Georgenstr.34.

In Wallerstädten werden die Lebensmittel jeden Samstag zwischen 14.30 und 15.30 Uhr in der Jonann-Peter-Hehl-Straße vor der Alten Schule ausgegeben.

Zu beachten gilt für alle Ausgabestellen, dass die erste halbe Stunde für Alleinerziehende, Senioren und Menschen mit Behinderungen reserviert ist, während sich in der zweiten halben Stunde jeder bedienen kann, der Lebensmittel retten möchte. „Essen für Alle“ sucht weitere ehrenamtliche Helfer. Interessenten sollten über ein eigenes Fahrzeug verfügen. Bewerbungen nimmt Sylvia Schneider unter 06152-7124092 entgegen.

Foto: Carmen Erlenbach

Text: Carmen Erlenbach