„Lass es einfach mal raus“

Lilien-Coach Markus Anfang im Interview

Seit Beginn des Monats ist Markus Anfang neuer Trainer des SV Darmstadt 98. Dem Online-Portal Lilienblog gab er ein ausführliches Interview, das wir hier in Auszügen abdrucken. Im ersten Teil geht es um Streit, Harmonie und Joachim Löw, der Anfang vor rund 20 Jahren in Innsbruck trainiert hatte.

Herr Anfang, was sind Sie für ein Trainertyp? Autoritär? Demokratisch? Kumpel?

Markus Anfang: Ich glaube, als Trainer musst Du von allem etwas sein. Ich mag es, mit den Jungs zu flachsen. Die können auch mal über mich lachen. Ich kann auch über mich lachen. Aber wenn es um die Sache geht, entscheide ich. Und das haben die Spieler zu akzeptieren. Es kann sein, dass ein Spieler das mal nicht versteht und sich ärgert. Dann sage ich ihm: „Jetzt schimpf‘ mal richtig auf den Trainer. Ich kann das total verstehen, dass es Dir so geht. Lass es einfach mal raus. Sag, dass der Trainer ein Arsch ist. Aber dann gehst Du raus und gibst wieder alles für die Mannschaft.“

Sie haben als Spieler viele Trainer erlebt. Die Standardantwort ist: Ich habe von jedem etwas mitgenommen. Aber gab es nicht doch einen, der Sie besonders geprägt hat?

Markus Anfang: Mein erster Trainer war Alex Ristic. Der war schon sehr speziell. Das war ein sehr autoritärer Trainer, eine andere Generation. Ich habe viel mitgenommen von Kurt Jara und Jogi Löw, die das auch zwischenmenschlich sehr gut gemacht haben. Das Fokussiert-Sein war bei Eric Gerets sehr ausgeprägt. Aber ich würde nie versuchen, einen Trainer zu kopieren. Der größte Lerneffekt war, wie ich als Spieler meine Trainer empfunden habe. Würde ich mit meinem Spieler heute so umgehen wie damals meine Trainer mit mir? Das, was ich als nicht gut empfunden habe, möchte ich meinem Spieler auch nicht geben. Das hat viel mit Menschlichkeit zu tun.

Carsten Wehlmann, mit dem Sie in Kiel erfolgreich zusammengearbeitet haben, hat durchscheinen lassen, dass man sich gut mit Ihnen streiten oder zumindest reiben kann. Stimmt das?

Markus Anfang: Bis jetzt habe ich hier noch nie mit jemandem gestritten … (grinst). Aber ich glaube, das gehört dazu. Streitkultur klingt immer etwas negativ. Aber wenn das konstruktiv abläuft, dann ist es auch mal gut, dass man nicht gleich auf die Bremse tritt. Wir haben uns gerieben. Und wir reiben uns auch jetzt manchmal. Aber das ist nicht schlimm. Das ist gut, denn das bringt uns weiter.

Wie wichtig ist Ihnen Harmonie?

Markus Anfang: Ich glaube, es ist wichtig, dass man seine Arbeit gerne macht. Harmonie hilft dabei. Wenn sich ein Spieler wohlfühlt, gibt er ein paar Prozent mehr. Es wäre schön, wenn uns das hier gelingt. Das bedeutet aber nicht, dass man in einer Komfortzone lebt und sich ausruht.

Von Stephan Köhnlein

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