„Kloppo war schon sehr redselig“

Torsten Lieberknecht im Trainingslager der Lilien. Foto: Arthur Schönbein

Lilien-Coach Torsten Lieberknecht im Interview

In einem großen Interview des Online-Magazins Lilienblog spricht Trainer Torsten Lieberknecht unter anderem über Talent, Familie, frühere Weggefährten und warum der SV Darmstadt 98 trotz guter Beziehungen wohl keine Spieler aus England holen wird. Das Interview ist in Auszügen hier abgedruckt:

Herr Lieberknecht, im Trainingslager in der Pfalz waren auch Ihre beiden älteren Brüder zu Gast. Einer hat gesagt, dass er eigentlich der bessere Fußballer war. Flachs unter Brüdern oder hat er recht?

Jürgen war fußballerisch der Beste, ein echter Zehner. Mein anderer Bruder Frank war ein eisenharter Verteidiger. Ich habe von beiden etwas mitbekommen. Vor allem haben bei mir die Eltern mitgespielt. Ernst Diehl, der damals Jugendtrainer in Kaiserslautern war, hatte zweimal vergeblich versucht, meine Brüder für den FCK zu gewinnen. Als er dann zehn Jahre später beim dritten Sohn wieder kam, haben meine Eltern gesagt: Na gut, den kannst Du jetzt mal nehmen und einen Fußballer aus ihm machen. (lacht)

Eine andere Geschichte: In ihrer Mainzer Zeit als Spieler haben sie dann ein Zimmer mit Jürgen Klopp geteilt. Ein Zeitzeuge hat mal gesagt, er habe schon damals viel geredet und alles besser gewusst. Welche Erinnerungen haben Sie an ihren damaligen Mitspieler?

Kloppo war eine Führungspersönlichkeit. Als Student war er wissenschaftlich den anderen damals sicher schon etwas voraus. Und natürlich war er immer jemand, der das Wort ergriffen hat. Die Mannschaftssitzungen unter Trainer Wolfgang Frank waren dann teilweise Dialoge zwischen Klopp und Frank. Die anderen sind dann irgendwann eingeschlafen (schmunzelt). Aber das war eine Zeit, die uns alle geprägt hat. Kloppo war schon sehr redselig, aber eigentlich war das die gesamte Mannschaft damals. Wir waren nicht die Besten. Aber wir waren die Lustigsten.

Auch wenn Sie ganz unterschiedliche Typen sind – sowohl Sie als auch Klopp zeichnet die große Leidenschaft aus …

Das ist die Leidenschaft zum Beruf, zum Trainersein. Emotionalität ist eine Seite. Aber sie muss auch authentisch sein. Und all das würde nicht funktionieren, wenn man nicht auch die fachliche Qualifikation hat. Ich glaube, was uns alle aus der Zeit damals in Mainz vereint, ist die Prägung durch Wolfgang Frank. Wir haben damals alle gemerkt, dass wir als Spieler nicht in den großen Ligen landen werden. Frank hat uns nicht als Fußballer aussortiert, sondern zu Trainern gemacht.

Und hätte ihr Ex-Mitspieler in Liverpool nicht vielleicht auch einen Spieler für Darmstadt?

Die, die wir haben wollen, will Liverpool nicht abgeben (lacht). Aber im Ernst: Selbst die U23-Spieler sind für uns nicht mehr finanzierbar. Ich erinnere mich aber noch, wie es uns damals gelungen ist, Omar Elabdellaoui aus dem Nachwuchs von Manchester City nach Braunschweig in die Bundesliga zu holen. Erst mussten wir ihm erklären, wo überhaupt Braunschweig liegt. Und als wir darüber gesprochen haben, was er verdienen kann, hat er gedacht, das wäre ein Wochengehalt. Wir mussten wir ihm dann erklären, dass in Deutschland das Gehalt monatlich gezahlt wird. Da musste er zwar erstmal überlegen. Aber er ist dann trotzdem gekommen, hat seinen Weg gemacht, ist norwegischer Nationalspieler und später Spieler des Jahres in seinem Land geworden.

Von Stephan Köhnlein

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