Kleine Delle, großer Schaden am Hauptkanal

Mit Schläuchen muss das Abwasser zurzeit umgeleitet werden. Foto: Stadt Riedstadt

Bis zur Schadensbehebung muss Abwasser umgepumpt werden

Riedstadt – Den 5. Juli wird die Leiterin der Stadtwerke so schnell nicht vergessen. „Da rief mich Walter Hess, Betriebsleiter der Zentralkläranlage, an und sagte: wir haben hier eine kleine Delle im Asphalt“, schildert Saskia Kirsch. Die kleine Delle entpuppte sich als großer Schaden. Denn bei einer Kamerabefahrung zeigte sich, dass sechs Meter unter der unscheinbaren Delle der Hauptkanal gebrochen war. Der hat einen Innendurchmesser von 70 Zentimetern und führt das Abwasser aus Leeheim, Erfelden, Goddelau, Crumstadt und dem Philippshospital in die Zentralkläranlage. Lediglich das Abwasser aus Wolfskehlen hat eine andere Zuleitung.

Die Stadtwerkeleiterin reagierte umgehend und ließ als erste Maßnahme die Schadstelle mit einer Art Blase abdichten. Zur Sicherheit wurde dann der Schacht vor der Bruchstelle mit dreieinhalb Kubikmetern Beton gefüllt. So war zu jeder Zeit sichergestellt, dass das Grundwasser geschützt ist und es zu keiner Verunreinigung kommen kann. Wie denn auch Kirsch betont: „Wir haben keinen Störfall. Das Abwasser wird normal gereinigt und wir halten alle Grenzwerte ein. Die Bürgerinnen und Bürger merken von dem Bruch des Hauptkanals nichts und haben keinerlei Einschränkungen. Dennoch haben wir dies natürlich umgehend dem RP Darmstadt angezeigt, die mit den getroffenen Maßnahmen sehr zufrieden waren.“

Über eine Länge von über 80 Metern führen nun zwei parallele schwarze Schläuche vom letzten intakten Kanalstück bis zur Rechenhalle mit dem Schneckenhebewerk, der ersten Station der Zentralkläranlage, wo die mechanische Reinigung von Grobstoffen stattfindet. Zwei Pumpen bewältigen bis zu 150 Litern pro Sekunde.

Sofort nach Entdeckung der Delle im Asphalt wurde der Bereich mit Schrankenzäunen gesperrt. Mit Sorge beobachtete die Stadtwerkeleiterin in den folgenden Tagen weitere Risse im Asphalt, deutliches Anzeichen dafür, dass das Material über dem Bruch weiter nachgibt. Am Freitag, 23. Juli, kam dann die nächste Hiobsbotschaft: Es kam zu einem Einbruch, aus der Delle war ein Krater entstanden, circa 30 Kubikmeter Boden fehlten. „Wir haben den ganzen Tag mit Hochdruck daran gearbeitet, wegen des angekündigten Starkregens das Loch zu sichern. Insgesamt mussten wir drei LKW-Ladungen mit Auffüllmaterial ausbringen“, berichtet Kirsch. Das haben sie geschafft, dennoch ist sie sehr froh, dass der Starkregen dann doch ausblieb.

Wegen der derzeitigen Engpässe im Baubereich kann die Reparatur des Hauptkanals frühestens Anfang August beginnen. Mit Flickwerk will und kann sich die Stadtwerkeleiterin nicht zufrieden geben. Deswegen werden hundert Meter neuer Kanal und neue Schächte gebaut werden müssen – und das im laufenden Betrieb. Da das Grundwasser wegen der nahen ICE-Strecke nicht um zwei Meter abgesenkt werden kann, wie es bei einem offenen Kanalbau notwendig war, wird mit unterirdischen Vorrohrtrieb gearbeitet. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis Mai 2022 dauern.

ggr

Aus der Delle war ein Loch geworden, das mittlerweile verfüllt ist. Foto: Stadt Riedstadt

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