Hygiene wird zum Pflichtfach

Auf Abstand: Landrat Thomas Will (rechts) hat sich in der Prälat-Diehl-Schule in Groß-Gerau informiert, unter welchen Bedingungen der Schul-Neustart in Zeiten von Corona am Montag erfolgen kann. Im Bild links Dr. Annette Petri, die Schulleiterin der Prälat-Diehl-Schule Groß-Gerau. Ein Video des Besuchs findet sich hier. Foto: Kreisverwaltung

Abschlussklassen starten am Montag im Kreis wieder mit Unterricht

Kreis Groß-Gerau – Die drei Schulträger des Kreises Groß-Gerau, der Kreis selbst sowie die Städte Rüsselsheim und Kelsterbach, haben die Vorbereitungen für die teilweise Wiederaufnahme des Unterrichts in der Corona-Krise am kommenden Montag weitgehend abgeschlossen. In einem gemeinsamen Elternbrief haben Landrat Thomas Will, Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel und Rüsselsheims Bürgermeister Dennis Grieser vor allem auf die neuen Verhaltensregeln in den Schulen hingewiesen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Dazu hat der Kreis einen eigenen Hygieneplan erstellt, der sich gut mit dem am Mittwochabend vorgelegten Plan des Landes Hessen ergänzt.

„Wir sind überzeugt, dass mit diesen Vorsichtsmaßnahmen ein guter und sicherer Unterricht erfolgen kann“, sagte Landrat Will. Er betonte aber zugleich, dass man von einem normalen Schulbetrieb noch weit entfernt sei. „Eine schnelle Rückkehr zur Normalität wird es nicht geben, auch nicht für jene, die nun nach der Zwangspause wieder in die Schule gehen können“, betonte Will. „Nicht mit Freunden Fußball spielen zu können, Abstand zu halten, über Jahre gewohntes Verhalten zu verändern, Einzelplätze im Klassenraum mit einer Distanz von mindestens 1,5 Meter zum Nachbarn – was wir unseren Schülerinnen und Schülern mit der Wiederaufnahme des Unterrichts in wenigen Tagen abverlangen werden, hat mit der Pädagogik vor Corona nicht mehr viel gemein“, so Will.

Den Schulbetrieb nach dem Corona-Lockdown zumindest teilweise wieder hochzufahren, sei eine große Herausforderung, sagte der Landrat: „Unsere Fachleute haben seit vergangener Woche fast rund um die Uhr daran gearbeitet, dass der Schulbetrieb wieder starten kann. Das Krisenmanagement hat ganz hervorragend funktioniert.“ In der Tat erwartet die rund 1750 Viertklässler an den 27 Grundschulen in der Schulträgerschaft des Kreises sowie die rund 2900 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9, 10 und 12 an den 13 Weiterführenden Schulen des Kreises (mit den Beruflichen Schulen in Groß-Gerau und Rüsselsheim) ein Schulalltag, der ganz im Zeichen der Infektionsvermeidung stehen wird. Der Kreis hat in enger Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt, den zuständigen Fachbereichen in der Kreisverwaltung sowie den Schulen vor Ort die baulichen Voraussetzungen für die teilweise Wiederaufnahme des Unterrichts geschaffen.

„Ziel war es, in der Kürze der Zeit unseren Schulen, den Schülerinnen, Schülern und deren Eltern eine möglichst solide Unterstützung beim Wiedereinstieg in den schulischen Prozess in dieser herausfordernden Zeit zu bieten; wir stehen ihnen natürlich auf allen Ebenden weiterhin dafür zur Verfügung“, betonten Ute Imig-Wittekind, Fachbereichsleitung Bildung und Schule und Michaela Eich, Fachdienstleitung Gebäudemanagement, Bau und Technik. „Wir sind froh, dass die Abstimmung untereinander so unkompliziert klappt. Wir arbeiten amtsintern gewohnt routiniert an den Schnittstellen zwischen den Fachbereichen Bildung und Schule, Gebäudemanagement sowie Gesundheitsamt und können uns in der Umsetzung vor Ort auf die Kompetenz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verlassen – das hilft enorm.“

Zu tun gab es viel: Unterrichtsräume mussten zum Beispiel so hergerichtet werden, dass die Abstandsregeln von 1,5 Meter eingehalten werden können. Höchstens 15 Personen sollen sich künftig in einem Klassenraum aufhalten, große Klassen werden geteilt. Sportunterricht findet nicht statt. „Sollten Abstände nicht eingehalten werden können, muss eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden“, so Landrat Will. Flexibilität und Kreativität sind gefragt, etwa was den Unterrichtsbeginn oder Pausenregelungen betrifft. Der Kreis stellt Handwaschmöglichkeiten mit Seife und Einmalhandtüchern zur Verfügung, damit alle sich regelmäßig die Hände waschen können und sorgt für eine regelmäßige und gründliche desinfizierende Reinigung aller Räume und Flächen mit intensivem Handkontakt. Die Verwendung von Handdesinfektionsmittel im Grund- und Mittelstufenbereich wird nicht empfohlen.

Genauso wichtig sei das Verhalten jedes Einzelnen, die inzwischen gewohnten Regeln und Verhaltensweisen auch während des Schulunterrichts anzuwenden, so Landrat Will.  „Die allgemeinen Hygieneregeln, wonach man sich unter anderem nicht selbst ins Gesicht fassen und andere mit den Händen berühren soll, die bekannten Husten- und Nieß-Etikette und natürlich regelmäßiges Händewaschen mit Flüssigseife und Einmalhandtüchern müssen eingeübt und befolgt werden“, erklärte der Landrat. Die Abstandregel gelte auch in den Schulbussen. Um Gedränge zu vermeiden, ruft der Landrat die Schülerinnen und Schüler auf, möglichst mit dem Fahrrad oder zu Fuß in die Schule zu kommen. „Das schöne Wetter und die vielen Stunden mit Tageslicht geben das her.“ Im Bus selbst ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wie generell im ÖPNV in Hessen ab Montag vorgeschrieben. Und schon bei leichten Krankheitssymptomen müssen die Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben.

Landrat Will hat sich in den vergangenen Tagen bei Gesprächen vor Ort mit den Schulleitungen selbst ein Bild vom Stand der Vorbereitungen machen können. „Ich bin gespannt und optimistisch, dass der Neustart am Montag gelingen wird. Den Schulleitungen und Kolleginnen und Kollegen, die sich freuen, wieder loslegen zu können, möchte ich meine große Anerkennung zollen. Sie werden den Schülerinnen und Schülern in der aktuell schwierigen Zeit gewiss eine große Stütze sein“, sagte Will.

„Seinen“ Schulen selbst sicherte der Kreis auch weiter die größtmögliche Unterstützung zu – natürlich auch, was die weitere Notbetreuung der Kinder an den Schulen anbelangt. „Wir unterstützen natürlich die Kinder-Notbetreuung auch nach der Öffnung der Schulen personell weiter, dafür stehen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ganztags bereit“, sagte Will. Die vielerorts diskutierte weitere Öffnung der Schulen nach dem 11. Mai sieht Landrat Will angesichts der aktuellen Corona-Lage sehr kritisch: „Ein zu schnelles Vorpreschen in der Frage halte ich nicht für den richtigen Weg. Da ist größte Zurückhaltung geboten. Wir sollten stattdessen viel eher die E-Learning-Angebote ausbauen, die wir dann zum Lernen einsetzen können“, sagte Will.

ggr

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