Hotspot biologischer Vielfalt

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Kreis bietet besonders wertvollen Lebensraum

Kreis Groß-Gerau – Seit dem Jahr 2001 wird jährlich am 22. Mai der internationale Tag der biologischen Vielfalt begangen. Das Datum erinnert an den 22. Mai 1992, als der Text des Übereinkommens zur biologischen Vielfalt in Rio de Janeiro offiziell unterzeichnet wurde.

Mit heute über 190 Staaten, die unterschrieben haben, gilt der Vertrag als eines der erfolgreichsten Übereinkommen der Vereinten Nationen und stellt das umfassendste verbindliche internationale Abkommen im Bereich Naturschutz und der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen dar.

Die drei Ziele sind der Erhalt der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und der gerechte Vorteilsausgleich aus der Nutzung genetischer Ressourcen. Deutschland ist seit dem Inkrafttreten am 29. Dezember 1993 Vertragspartei der Konvention. Das Motto des Tags der biologischen Vielfalt 2020 ist „Our solutions are in nature“.

Die biologische Vielfalt findet sich überall auf unserer Erde. Die Tropen, Meere und Wälder sind Lebensräume mit höchsten Dichten an Arten, Ökosystemen und genetischer Vielfalt. Diese Lebensräume werden in der Fachsprache als sogenannte „Hotspots der biologischen Vielfalt“ bezeichnet: Dazu zählen geogrphisch voneinander abgrenzbare Bereiche, die eine besonders hohe Dichte und große Vielfalt von Arten, Populationen und Lebensräumen aufweisen. Auch in Deutschland lassen sich zwischen Nordsee und den Alpen insgesamt 30 solcher Bereiche vorfinden; diese nehmen laut dem Bundesamt für Naturschutz rund elf Prozent der Fläche Deutschlands ein.

Große Bedeutung hat dieses Thema auch für den Kreis Groß-Gerau. Ein Großteil seiner Fläche gehört räumlich zur Hotspot-Region mit der Bezeichnung „Nördliche Oberrheinebene mit Hardtplatten“. Trotz einer dichten Besiedlung und der weitläufig urbanen Landschaft lassen sich zahlreiche Seen, Gräben und Fließgewässer, aber auch trockene Bereiche wie Sandtrockenrasen finden. Hochwertige Wiesengesellschaften existieren hier ebenso wie ausgedehnte Wälder.

Diese wertvollen Biotope bieten für eine Reihe von Arten essenzielle Lebensräume: So lassen sich im Kreis neben einer Vielzahl von Fledermausarten auch Kiebitze, Mauereidechsen, Hirschkäfer, Feldhamster sowie in feuchten oder aquatischen Biotopen lebende Arten wie Schlammpeitzger und Wechselkröte vorfinden. Die hohe Anzahl an brütenden Weißstorchenpaaren im Kreis hat zudem eine überregionale Bedeutung.

Der Tag der biologischen Vielfalt soll dazu animieren, sich bewusst zu machen, welch große Bedeutung die Ökosysteme für unser Leben haben. Gerade in Zeiten von Kontaktverboten stellt das Naturerleben eine willkommene Ablenkung dar.

Die zunehmende Bedrohung der Arten aufgrund des Lebensraumverlustes und der Klimaveränderung betrifft die gesamte Weltbevölkerung. Durch den Rückgang oder sogar das Aussterben von Arten werden die empfindlichen Ökosysteme in ihrem Zusammenspiel und ihrer Funktion nachhaltig gestört. Denn diese Systeme funktionieren nur, wenn die richtige Zusammensetzung der Arten vorhanden ist.

Der Mensch ist auf funktionierende Ökosysteme angewiesen, da er aus ihnen sowohl pflanzliche als auch tierische Produkte bezieht, die für seine Ernährung und Gesundheit unabdingbar sind. Darüber hinaus profitiert er von frischer Luft, sauberem Wasser oder Holz als Rohstoff. Auch die Schönheit einer intakten Natur tut Menschen gut. Der Erhalt der Artenvielfalt ist daher ein unverzichtbares Ziel.

Wer sich für Artenschutz interessiert, für den ist möglicherweise nicht nur der internationale Tag der biologischen Vielfalt interessant: Am 22. Juni folgt, wie jedes Jahr, der Tag der Artenvielfalt.

ggr

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