„Gründe für den Bau sind entfallen“

Landrat Thomas Will äußert sich zu Terminal 3 des Flughafens

Kreis Groß-Gerau – Angesichts der weitreichenden Folgen der Corona-Krise und der notwendigen Neuausrichtung der Luftverkehrswirtschaft stellt sich für den Groß-Gerauer Landrat Thomas Will die Frage, wofür eigentlich das auf dem Flughafengelände derzeit im Bau befindliche Gebäude fertig gestellt und genutzt werden soll: „Die Fraport AG steht vor weiteren riesigen Investitionen, ohne dass diese auf Dauer für die Passagierabwicklung benötigt werden. Die dem Bau zugrundeliegenden Prognosen waren von vornherein zu optimistisch und mussten immer wieder nach unten korrigiert werden. Jetzt sind sie obsolet.“ Unter anderem seien unrealistische Annahmen zum Wirtschaftswachstum zugrunde gelegt worden – unabhängig von Corona. Auch sei fraglich, ob die Arbeitsplätze, die durch den Bau des Terminal 3 entstehen sollen, zukunftsfähig sind.

„Die Gründe für den Bau von Terminal 3 sind entfallen und die vom Vorstand der Fraport angeführten Argumente für den Weiterbau können nicht überzeugen“, so Landrat Will, der einer der Sprecher der Initiative Zukunft Rhein-Main (ZRM) ist. Der Flughafen könne auch mit seinen zwei bestehenden Terminals die künftig zu erwartende Passagierzahl abfertigen, ohne an seine Kapazitätsgrenzen zu stoßen. „Durch die Corona-Krise wird es am Frankfurter Flughafen über längere Zeit keine Rückkehr zur bisherigen Auslastung geben“, konstatiert der Groß-Gerauer Landrat und stellt die Frage, welcher Nutzung das dann fertiggestellte Gebäude zugeführt werden soll.

Wie schon beim Bau der Landebahn Nordwest sei davon auszugehen, dass die einmal getätigte Fehlinvestition zu weiteren Sachzwängen führt und das Fraport-Management wieder versuchen wird, die Nachfrage künstlich zu erhöhen. „Wenn das Terminal 3 dazu führt, dass Passagiere wieder durch teure Rabatt-Programme angelockt werden müssen, werden die Fehler des Gesamtausbaus wiederholt. Die Region um den Frankfurter Flughafen hat ihre Belastungsgrenze in Bezug auf Verlärmung und Luftverschmutzung schon erreicht“, so Will. Das zeige sich auch darin, dass die zahlreichen Initiativen, die den Flughafenausbau kritisch sehen, auch in der Corona-Zeit aktiv sind. „Dieses Engagement ist wichtig, um zu zeigen, dass es so wie es gewesen ist, nicht weitergehen kann. Es muss eine neue Richtung hin zu einem nachhaltigeren, umwelt- und sozialverträglichen Luftverkehr eingeschlagen werden“, betont der Landrat.

Die Fraport ist, anders als sie sich darstellt, kein Privatunternehmen, bei dem der Vorstand nach Belieben unternehmerische Entscheidungen treffen kann. „Es handelt sich vielmehr um ein Unternehmen in überwiegend öffentlicher Hand. In Planungsverfahren tritt Fraport als öffentlicher Planungsträger auf und nimmt das Gemeinwohlinteresse stets als Argument für ihre Ausbauvorhaben“, so Thomas Will weiter. Unternehmerische Fehlentscheidungen wie in der Vergangenheit bedeuteten daher das Verbrennen öffentlicher Gelder, „weshalb sich die Fraport einer öffentlichen Diskussion stellen muss“.

ggr

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