Eine Niederlage als Hoffnungsschimmer oder: eine Frage der Geduld

Wie wird die zweite Hälfte der Saison verlaufen? Die Lilien hoffen auf mehr Punkte, so wie hier beim Auswärtsspiel in Karlsruhe. Archivbild: Arthur Schönbein

Die Lilien spielen wie so oft eine schwache Hinrunde – Wandel benötigt Zeit

Der SV Darmstadt 98 steht nach einer wechselhaften Hinrunde im unteren Tabellendrittel. Die Abstiegsränge rücken immer näher. Das ist unbefriedigend. Und weil der Trend mit vier Niederlagen am Stück deutlich nach unten weist, ist es auch Grund für den einen oder anderen sorgenvollen Gedanken. Aber ist das auch ein Grund, schon jetzt alles infrage zu stellen?

Ein Blick auf die vergangenen drei Zweitliga-Jahre zeigt: Mit 18 Punkten nach 17 Spielen stehen die Lilien im Vergleich zu den vorangegangen Hinrunden ähnlich da: In der Saison 2019/20 waren es 20 Punkte, davor 19 Zähler, davor wie heute 18 Punkte.

Der vielversprechenste SV Darmstadt 98 seit drei Jahren

Wenn man auf die vergangenen Hinrunden unter spielerischen Aspekten zurückblickt, waren die spielerischen Ansätze in den ersten 17 Spielen dieser Saison die vielversprechensten. In der vergangenen Hinrunde war unter Dimitrios Grammozis Sand im Getriebe und gerade wegen der Degradierung von Tobias Kempe auch Unruhe im Mannschaftsgefüge. Das Jahr davor wurde deutlich, dass das System Schuster am Ende war. Und im Jahr davor gewann das Team nach einem guten Start und der Vertragsverlängerung mit Torsten Frings nichts mehr, so dass der Trainer gehen musste.

Auch jede der Rückrunden hatte ihre eigene Dramaturgie: 2018 rutsche die Mannschaft unter Dirk Schuster zunächst weiter ab und schaffte dann mit einem furiosen Endspurt am letzten Spieltag den Klassenerhalt. 2019 musste Schuster gehen und die Mannschaft sicherte unter Grammozis vorzeitig die Klasse. Vergangenes Jahr schaffte es die Mannschaft unter dem im Umfeld zeitweise hart kritisierten Grammozis sogar auf Rang fünf.

In Kiel geht auf, was Anfang und Wehlmann gesät haben

Nun haben die Lilien also die Hinrunde mit einer 0:2-Niederlage gegen Holstein Kiel abgeschlossen. Die Gäste waren stärker und gewannen verdient am Böllenfalltor. Das kann Mut für die Zukunft machen – so absurd das zunächst klingen mag. Denn in Kiel geht auch die Saat auf, die Markus Anfang dort in seiner Zeit als Trainer zwischen 2016 und 2018 mit dem damaligen Chefscout Carsten Wehlmann gesetzt hat.

Anfang betont immer wieder, es dauere drei Transferperioden, bis der Kader nach seinen Vorstellungen umgebaut ist. Eineinhalb sind erst vorbei. Der Wandel ist also gerade in vollem Gange. Es gibt Gründe für Optimismus – auch wenn natürlich nicht sicher ist, dass sich alles zum Guten wenden wird. Sicher ist aber, dass die Mechanismen des Geschäfts greifen werden, wenn es mit den Punkten auf Dauer nicht klappt. Vorerst heißt es: Ruhe bewahren!

Von Stephan Köhnlein

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