Die Lilien und das Leid hinten rechts

Kein etatmäßiger rechter Außenverteidiger im Kader

Von Stephan Köhnlein

Mit Tim Rieder muss man eigentlich schon Mitleid haben. Der 25-Jährige kam zu Saisonbeginn als Leihgabe von Bundesligist FC Augsburg. „Wir konnten uns von Tims Qualitäten bereits während unserer Zeit in Augsburg ein Bild machen“, sagte Trainer Dirk Schuster damals und fügte an: „Wir freuen uns, dass er unsere Optionen im Defensivbereich vergrößert.“

Das Problem: Rieder ist mit seinen 1,86-Metern ein klassischer Mann für die Mitte, seine Stammposition ist das defensive Mittelfeld, auch als Innenverteidiger ist er einsetzbar. Aber bei den Lilien musste er in der Anfangsformation bislang dreimal als rechter Außenverteidiger ran. Und damit hat Schuster seinem Schützling keinen Gefallen getan.

Nach einem durchwachsenen Startelf-Debüt gegen Arminia Bielefeld folgte ein schwacher Auftritt gegen Holstein Kiel, den Schuster bereits zur Halbzeit beendete. Auch gegen den Hamburger SV musste Rieder in der 80. Minute vorzeitig raus. „Er war an der Leistungsgrenze, konnte nicht mehr die Sprints ziehen, da die Muskulatur zugemacht hat“, sagte der Trainer. „Er hat dann von sich aus gesagt, dass es nicht mehr geht.“ Doch schon zuvor hatte Rieder immer wieder Probleme mit seinem flinken und wendigen Gegenspieler Khaled Narey gehabt, der unter anderem über rechts das 2:0 der Gäste vorbereitet hatte.

Problem ist keineswegs neu

Ansonsten stehen im Kader nur noch Sandro Sirigu und Immanuel Höhn für die rechte Abwehrseite bereit. Aber Höhn ist gelernter Innenverteidiger, konnte bei seinen Einsätzen auf der rechten Abwehrseite meist nicht überzeugen. Und Sirigu kann seine Schnelligkeit vor allem nach vorne ausspielen, hat Schwächen im Defensivverhalten.

Das Problem ist keineswegs neu. In der vergangenen Saison versuchte sich Weltmeister Kevin Großkreutz auf rechts – mit sehr bescheidenem Erfolg. So durfte er weiter zu Drittligist Uerdingen ziehen. Ein Ersatz für die Seite wurde jedoch nicht geholt – ein Versäumnis, das sich nun schmerzhaft rächt.

Auf dem Markt sind immer noch einige vereinslose Spieler wie etwa Dennis Diekmeier (zuletzt Hamburger SV) oder Tobias Levels (FC Ingolstadt), die sofort spielberechtigt wären. Eine andere Option wäre eine Umstellung auf eine Dreierkette mit Aytac Sulu, Marcel Franke und wahlweise Höhn oder Rieder. Aber damit würde Schuster sich quasi selbst revolutionieren. Schließlich hält er in Darmstadt mit stoischer Ruhe an der gleichen taktischen Grundordnung fest. Dabei sind vier Abwehrspieler gesetzt.

Foto: Arthur Schönbein

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