Der nicht ganz freiwillige Jugendstil

Mit John Peter Sesay und Philipp Sonn (Foto unten) hatten die Lilien sehr junge Spieler im Einsatz. Fotos: Arthur Schönbein

Darmstadts Personalmisere eröffnet Nachwuchsspielern Chancen

In der Sommerpause hatte der SV Darmstadt 98 ein neues Konzept angekündigt, um Nachwuchsspielern den Übergang zu den Profis zu erleichtern. Dass dann bereits am 2. Spieltag drei U19-Spieler gleichzeitig auf dem Feld stehen, war aber so sicher nicht geplant. Doch wenn die prekäre, vor allem Corona geschuldete Personalsituation bei den Lilien eine gute Seite hat, dann ist es die: Der Nachwuchs in Darmstadt hat wieder eine Chance.

Startelf-Debüt in der Innenverteidigung

Dass Trainer Torsten Lieberknecht viel von Clemens Riedel hält, wurde spätestens nach dem Testspiel in Mannheim klar. Als ein Journalist die Optionen in der Innenverteidigung aufzählte und Riedel nicht erwähnte, intervenierte der Coach entschieden. Schon am ersten Spieltag gegen Jahn Regensburg kam Riedel dann zu einem Kurzeinsatz. Gegen Karlsruhe gab er sogar sein Startelf-Debüt, in der Dreier-Innenverteidigung neben den gestandenen Zweitliga-Profis Lasse Sobiech und Jannik Müller.

Während Sobiech gegen den Doppeltorschützen Philipp Hofmann nicht immer gut aussah und auch Müller noch lange nicht auf dem Stand ist, der ihn einst bei Dynamo Dresden zum Kapitän machte, bot Riedel über weite Strecken eine ordentliche Partie. Dafür bekam er danach reichlich Lob. Lieberknecht sprach von einem sehr gelungenen Startelf-Debüt, auch Mitspieler Matthias Bader hob Riedel ausdrücklich hervor.

Ein Unruheherd in der Offensive

John Peter Sesay gehörte bereits in der Endphase der vergangenen Saison zum Profikader, obwohl er da noch im jüngeren U19-Jahrgang war. Für einen Einsatz reichte es allerdings nicht. Erst im ersten Spiel der neuen Saison durfte der offensive Mittelfeldspieler sein Profi-Debüt feiern.

Noch wirkt der 18-Jährige bisweilen etwas ungestüm und überhastet. Aber Willen und Spielfreude sind erkennbar – und sowohl gegen Regensburg wie gegen Karlsruhe sorgte er für Unruhe in der gegnerischen Defensive.

Der jüngste Zweitliga-Spieler

Dritter und Jüngster im Bunde der Jungen ist Philipp Sonn. Über den hatte Coach Lieberknecht gescherzt, er könne als Nachfolger für den Isländer Victor Palsson durchgehen, wenn man seinen Namen zu Philippson zusammenziehe. Schon in der Vorbereitung zeigte sich Sonn recht frech. Diese Frechheit und Unbekümmertheit zeigte er auch gegen Karlsruhe in den Schlussminuten. Mehrfach lief er mit Hochgeschwindigkeit den gegnerischen Keeper an, obwohl das Spiel schon lange entschieden war.

Mit 16 Jahren, 10 Monaten und 19 Tagen ist Sonn laut Verein nicht nur die jüngste Lilie, sondern auch der jüngste Zweitliga-Spieler aller Zeiten. Ein Rekord, von dem sich der Verein allerdings für die Tabelle zunächst nichts kaufen kann.

Allein mit Jugendspielern wird der SV Darmstadt 98 nicht zu retten sein. Aber die vergangenen Wochen haben zumindest gezeigt, dass Spieler aus dem eigenen Nachwuchs erstmals seit Jahren wieder eine Option für die erste Mannschaft sind.

Von Stephan Köhnlein

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