Der Kapitän geht von Bord

David Abraham im Spiel gegen Bayer Leverkusen. Foto: Jan Huebner

David Abraham verlässt die Eintracht – Letztes Spiel gegen Schalke

Gut fünfeinhalb Jahre spielte David Abraham für Eintracht Frankfurt. Nun kehrt der 34 Jahre alte Mannschaftskapitän aus familiären Gründen in seine Heimat Argentinien zurück.

Weil wegen der Corona-Pandemie auch bei der letzten Partie des Innenverteidigers gegen Schalke 04 keine Zuschauer ins Stadion dürfen, um Abraham zu verabschieden, hat der Verein eine andere Möglichkeit gewählt: Die Fans der Eintracht können sich persönlich per Videobotschaft von El Capitano verabschieden, die sie auf der Homepage des Vereins hochladen können.

Junioren-Weltmeister mit Lionel Messi

Als David Abraham 2015 zur Eintracht kam, hatte er bereits einiges erlebt in seiner Karriere. Bereits 2005 hatte er mit dem späteren mehrmaligen Weltfußballer Lionel Messi im Trikot der argentinischen Nationalmannschaft die U20-Weltmeisterschaft gewonnen.

Mit dem FC Basel errang er in der Schweiz zwischen 2008 und 2012 drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege und spiele regelmäßig in der UEFA Champions League. Über den FC Getafe in der Primera Division fand der Innenverteidiger seinen Weg in die Bundesliga, wo er im Januar 2013 in Hoffenheim und zweieinhalb Jahre später bei der SGE unterschrieb.

Bodycheck gegen Christian Streich

Mit seinem guten Stellungsspiel und starken Zweikämpfen, aber vor allem mit seiner Schnelligkeit entwickelte er sich bald zum Abwehrchef. Im Gespräch ist Abraham stets höflich. Auf dem Feld ist er dagegen knochenhart, manchmal auch über das Erlaubte hinaus. So hat sich sein Bodycheck gegen Freiburgs Trainer Christian Streich für immer ins Gedächtnis vieler Fans gebrannt. Abraham wurde nach dem Vorfall im November 2019 wochenlang gesperrt.

Die Eintracht belegte ihn zwar auch mit einer Geldstrafe, gab ihm aber sonst viel Rückendeckung. Nachdem Abraham seine Sperre abgesessen hatte, blieb er Mannschaftskapitän – ein Zeichen der hohen Wertschätzung vonseiten des Vereins.

Einsamkeit und Wiedersehensfreude

Nun freut er sich auf das Wiedersehen mit seiner Familie in Argentinien – besonders auf seinen vierjährigen Sohn Alfonso. Gerade die vergangenen Monate waren schwer für Abraham. „Das größte Problem war COVID-19, weil keiner aus Argentinien kommen konnte“, sagte er dem Sportmagazin „kicker“ in einem Interview. „Es ist schon sehr hart, so lange alleine zu sein.“

Künftig werde er in Rosario, der drittgrößten Stadt des Landes, leben und versuchen, seinen Sohn und seine Eltern sehr häufig zu sehen. „Es ist fast 20 Jahre her, dass ich mein Elternhaus verließ und zu Independiente nach Buenos Aires wechselte. Deswegen wollen wir die Zeit jetzt noch intensiver gemeinsam nutzen.“

Bei der Eintracht wird man Abraham vermissen. „David ist ein absolut wertvoller Spieler. In den Trainingseinheiten der letzten Tage hatte ich nicht das Gefühl, dass bald der Zeitpunkt gekommen ist, zu dem er Eintracht Frankfurt verlässt“, sagte Trainer Adi Hütter und fügte mit Blick auf das letzte Profispiel Abrahams am 17. Januar an: „“Ich habe auch keine Freude, wenn der Tag da ist.“

Von Stephan Köhnlein

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