Amin Younes zurück im Rampenlicht

Amin Younes am Ball. Foto: Jan Huebner

Karriere des Eintracht-Mittelfeldspielers kommt wieder in Schwung

Dreieinhalb Jahre lagen zwischen dem fünften und dem sechsten Länderspiel von Amin Younes: Im Oktober 2017 hatte er beim 5:1-Sieg im WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan zuletzt das DFB-Trikot getragen, erst am vergangenen Freitag beim 3:0 gegen Island kam der mittlerweile 27-Jährige als Einwechselspieler wieder zum Zug für die deutsche Auswahl.

Younes, Sohn eines früheren libanesischen Fußballspielers und einer deutschen Mutter, hat eine wechselhafte Karriere hinter sich. Bei Borussia Mönchengladbach machte der gebürtige Düsseldorfer als junger Spieler schnell auf sich aufmerksam. Es folgte ein Tief in Kaiserslautern, nach einem Hoch bei Ajax Amsterdam bekam er Streit mit dem niederländischen Traditionsklub. Sein Wechsel zum SSC Neapel entpuppte sich als Sackgasse, zudem hatte er parallel noch einen Vertrag beim VfL Wolfsburg unterschrieben.

Eine der Säulen für den Eintracht-Höhenflug

Nicht ohne Skepsis wurde deswegen notierte, als ihn im vergangenen Oktober Eintracht Frankfurt für zwei Jahre von den Italienern auslieh, mit Kaufoption für die Zeit danach. Und zunächst gab es gleich den nächsten Rückschlag: Younes erkrankte an Covid-19. Nachdem er die Infektion und deren Nachwirkungen überstanden hatte, drehte er jedoch auf und wurde zu einer Säule der Eintracht-Serie von elf Spielen ohne Niederlage.

„Es sind tolle Jungs, die Bock auf Fußball haben und hart trainieren. Wir haben eine tolle Mannschaft und einen fantastischen Trainer, ich kann frei aufspielen, ich fühle mich pudelwohl“, schwärmt er, räumt jedoch auch ein: „Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich hätte erwartet, dass es in Frankfurt so schnell aufwärtsgeht.“

Mehr als Zaubern

Der 1,68 Meter große Younes ist ein echter Straßenfußballer, überzeugt mit Dribblings, Pässen und Körpertäuschungen: „30 Jungs und ein Ball, keine Schiedsrichter, keine Regeln: Um sich da durchzusetzen, muss man sich ein paar spezielle Skills aneignen“, erinnert er sich an die Anfänge auf dem Bolzplatz. Zugleich ist er sich aber bewusst, dass zum Bundesligafußball mehr gehört als Zaubern. „Gute Kicker gibt es viele, aber du musst ein kompletter Spieler sein, um in der Bundesliga zu bestehen.“

Soziales Engagement

Younes zeigt aber auch, wie Fußballer ihre Popularität in den Dienst der Gesellschaft stellen können. Er engagierte sich für die Jugendkampagne „iCHANCE – Besser lesen, besser schreiben!“ des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung und macht darauf aufmerksam, dass mehr als sieben Millionen Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben können. Für seinen Heimatverein SG Unterrath engagierte er sich als Schirmherr für ein internationales Jugendturnier.

Vor allem aber sorgte er nach seinem Tor zum 2:0 gegen den FC Bayern München für Aufsehen, als er beim Jubel ein T-Shirt zum Gedanken an die Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau hochhielt. Er fühle mit den Angehörigen mit, deren Kinder, Enkel und Geschwister nach dem Attentat nicht heimgekommen waren. „Ich wollte damit ausdrücken, dass uns das alle betrifft“, sagte er.

Von Stephan Köhnlein

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